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ProSTEP iViP Symposium 2011: Das Netzwerk macht sich stark für offene Systeme und den wissenschaftlichen Nachwuchs

Darmstadt, 20. April 2011 – Es geht aufwärts! Auch mit dem ProSTEP iViP Verein, der sich mit Schwung neuen Themen zuwendet. 450 Teilnehmer aus 13 Nationen konnte Ulrich Ahle, Siemens IT Solutions and Services und Mitglied des ProSTEP iViP-Vorstands, begrüßen. Das 14. ProSTEP iViP Symposium 2011 – gesponsert von der BMW Group und CONTACT Software – knüpfte damit an das Rekordergebnis von 2008 an. Und weder Teilnehmer noch Referenten scheuten sich, auch ausgesprochen heiße Eisen anzufassen. Zum Beispiel die Frage der Offenheit von PLM-Software. Erstmals auf dem Symposium: Der ProSTEP iViP Scientific Award.
 
22 IT- und Serviceanbieter und damit 15 Prozent mehr als im vergangenen Jahr nutzten die begleitende Ausstellung, um ihr Angebot zu präsentieren. An zwei Tagen standen in der Münchner BMW Welt 40 Vorträge auf der Agenda, parallel in drei Sessions zur Auswahl. Wie ein roter Faden zogen sich zwei Themen durch die gesamte Veranstaltung: Die Komplexität der Produkte und der Prozesse ihrer Entstehung hat offenbar einen Höhepunkt erreicht, der die Suche nach einfachen, durchgängig einsetzbaren und integrierbaren Lösungen so dringlich macht wie nie zuvor. Und die Umsetzung der dazu erforderlichen Offenheit eingesetzter Systeme ist jetzt Gegenstand konkreter Schritte.
 
Karl Erich Probst, Senior Vice President und CIO bei Gastgeber BMW, eröffnete die Tagung mit einem Vortrag, an dessen Ende eine Information alle aufhorchen ließ. Er gab die Gründung einer Projektgruppe im ProSTEP iViP Verein bekannt, deren Aufgabe die Definition eines „Codex of PLM Openness“ ist. Mit dem Ziel der Selbstverpflichtung der Hersteller von Standardsoftware auf einen Kodex, der einer echten Offenheit, Integrationsfähigkeit und Flexibilität bei der Systemauswahl hohe Priorität einräumt.
 
Karl-Heinz Zachries, Gründer und Geschäftsführer von CONTACT Software in Bremen, steuerte in seiner Keynote zum selben Thema eine weitere Neuigkeit bei: Aufgrund einer Kartellrechtsbeschwerde von CONTACT in Brüssel ist die EU Kommission aktiv geworden und verfolgt derzeit mit einer Befragung von Anwendern und der Anhörung einiger Anbieter den Vorwurf, dass möglicherweise mit unlauteren Mitteln versucht wird, proprietäre Systeme so abzuschotten, dass ihre Daten mit Fremdsystemen nicht sinnvoll genutzt und verwaltet werden können. CONTACT selbst hat mit dem kürzlich eingeführten Konzept der Workspaces einen Ansatz eingeführt, der „das Chaos der kreativen Produktentwicklung in heterogener Umgebung zulässt und seine Ergebnisse sinnvoll verwaltet“, wie Karl-Heinz Zachries erläuterte. Eine von der eigenen PDM-Lösung unabhängige Software sorgt im Hintergrund dafür, dass die Daten mit dem Projekt synchronisiert werden. Dabei können Agile, Teamcenter oder SAP in die Synchronisation eingebunden werden.
 
Offen sein – für Prof. Dieter Spath, Direktor des Fraunhofer IAO und Vizepräsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech, heißt das noch erheblich mehr als offene Systeme: „Wenn wir auf dem Weltmarkt weiterhin eine bedeutende Rolle spielen wollen, dann ist Querdenken gefragt. Wir brauchen radikale Innovation, und zwar sowohl bezüglich der Produkte als auch der Geschäftsmodelle! Bei allem“, so Prof. Dieter Spath, „müssen wir die Menschen mitnehmen, und das bedeutet Weiterbildung just-in-time, nicht erst mit großer Verzögerung wie etwa bei der Nutzung des Internet.“
 
Damit war der Bogen gespannt, um unter dem diesjährigen Motto „Agile Collaboration & Managing Complexity“ ins Detail zu gehen. Der im vergangenen Jahr erfolgreich eingeführte Scientific Track wurde am zweiten Tag mit fünf Vortragsblöcken fortgeführt. In den Wissenschaftsteil gehörte zusätzlich auch der erstmals implementierte BMBF-Block. Hier wurden zwei erfolgreiche Projektabschlüsse präsentiert, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert worden sind: ADiFa, das ein Anwendungsprotokoll zur Prozessharmonisierung in der Digitalen Fabrik erarbeitet und eng mit dem ProSTEP iViP Projekt „Digital Manufacturing“ (vgl. PDJ 02/2010) zusammengearbeitet hat; und ISYPROM, das Lösungen zur modellbasierten Prozess- und Systemgestaltung für die Innovationsbeschleunigung bereitstellt.
 
Der Scientific Track startete mit der Präsentation des Gewinners des bei der Abendveranstaltung im Augustiner Keller erstmals verliehenen ProSTEP iViP Scientific Award, Dr. Florian Gerhardt, heute BMW. Der Preis war in diesem Jahr vereinsintern für die Mitgliedergruppe 3 der Wissenschaftler ausgeschrieben worden. Ab dem kommenden Jahr erfolgt die Ausschreibung international. Der Verein will damit den wissenschaftlichen Nachwuchs im Umfeld der virtuellen Produktentstehung fördern. Diplom- oder Masterarbeiten werden mit 1.000 Euro, Dissertati-onen mit 4.000 Euro gefördert. Den Preis für die Masterarbeit erhielt Anne Brinkmann, die sie am Karlsruher Institut für Technologie  abgeschlossen hatte. Anne Brinkmann, heute Audi: „Gerade im Umfeld des Engineering, in dem die Fachleute immer mehr fehlen, ist solcher Ansporn besonders wichtig.“
 
Einen Blick in die Zukunft des IT-Einsatzes im Engineering des Flugzeugbaus bei Airbus gestattete die Keynote zum Abschluss des Symposiums. „80 Prozent der IT-Landschaft ist überflüssig“ lautete die Einschätzung von Entwicklungsleiter Anders Romare, der sich – basierend auf langjährigen Erfahrungen bei Volvo – zum Ziel gesetzt hat, innerhalb der nächsten Jahre auf eine einzige PLM-Plattform zu standardisieren. Er schloss den Kreis zu den Eröffnungsreden: „Wir werden dabei proprietäre Lösungen und Formate vermeiden und uns auf Offenheit und Standards stützen, wo wir können.“
 
Zum Schluss luden Ulrich Ahle und Anders Romare für das kommende Jahr nach Hamburg ein. Das 15. ProSTEP iViP Symposium in der zweiten Mai-Woche 2012 wird von Airbus und PTC gesponsert.
 
Über den ProSTEP iViP Verein

Der ProSTEP iViP Verein ist eine internationale Branchengemeinschaft führender Unternehmen aus der Automobil- und Luft- & Raumfahrtindustrie, Systemanbieter und Forschungseinrichtungen. Ziel ist es, die durch vernetzte Zusammenarbeit in einem weltweiten Entwicklungsverbund resultierenden, herausfordernden Aufgaben für die Fertigungsindustrie zu lösen.
 
Grundgedanke ist dabei die ganzheitliche organisationen- und domänenübergreifende Betrachtung von Daten, Prozessen und Systemen. Die fünf Leitthemen des Vereins verdeutlichen diesen Ansatz: Prozessmanagement, Systemintegration, Produktdatenstandardisierung, Engineering Collaboration und Wissenstransfer.
 
Der ProSTEP iViP Verein mit Sitz in Darmstadt wurde im Oktober 1993 von 38 Industrieunternehmen sowie mehreren Systemanbietern als Teil der deutschen STEP-Initiative gegründet. Mittlerweile zählt der Verein rund 160 Unternehmen und Organisationen aus 17 Ländern als Mitglieder.